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Die Gartenseite des Neuen Palais

Das Neue Palais und die Communs im Park Sanssouci

Wir schreiben das Jahr 1763. Durch eher glückliche Umstände war der verlustreiche Siebenjährige Krieg zu Ende und Preußen doch noch mit einem blauen Auge davongekommen. Auch damals schon gab es bei der herrschenden „Elite“ die Unsitte, mit Prestigebauten gerade in besonders schwierigen Zeiten ihre Macht zu demonstrieren.

Genau dies hatte Friedrich II. mit diesem Schlossbau vor, der mitsamt der Wirtschaftsgebäude Potsdams größtes Schloss werden sollte. Bereits kurz nach Kriegsende begannen die Bauarbeiten, die 1769 beendet werden konnten und rund 2,9 Millionen Taler verschlangen. Der König selbst nannte dieses Ensemble eine Fanfaronnade (französisch für Wichtigtuerei, Angeberei), zumal es in erster Linie als Gästeunterkunft und für Veranstaltungen am Hofe dienen sollte. Für gelegentliche Aufenthalte seiner selbst war der südliche Seitenflügel bestimmt, langfristig gewohnt hat er dort aber nicht.

Die Feldseite des Neuen Palais

Ab 1859 wohnte Friedrich III. ‒ besser bekannt als 99-Tage-Kaiser ‒ bereits als Kronprinz in diesem Schloss. Auch sein Sohn und Nachfolger ‒ Wilhelm II. ‒ nutzte das Neue Palais als Residenz bis zu seinem Abdanken im Jahr 1918. Beide ließen im Inneren größere Umbauten durchführen, die äußere Gestaltung des Schlosses blieb jedoch weitgehend erhalten. Nach 1918 wurde das Schloss als Museum hergerichtet und ist seitdem (zum Teil) Besuchern zugänglich.

Dass nach Kriegsende so schnell mit den Bauarbeiten des Palais begonnen werden konnte, lag an den bereits 1755 begonnenen Planungen, die auch während des Krieges fortgeführt wurden. Johann Gottfried Büring und Heinrich Ludwig Manger waren zunächst mit der Planung beauftragt. Beide zerstritten sich jedoch mit dem König, der diverse Korrekturen an dem Bau forderte und die Ratschläge der Architekten zur konstruktiven Umsetzung weitgehend ignorierte. Aus diesem Grund waren bereits wenige Jahre nach Fertigstellung Reparaturen notwendig, und für manches Problem existiert auch Jahrhunderte später keine dauerhafte Lösung. 1764 kam Carl von Gontard von Bayreuth an den preußischen Hof und übernahm im darauffolgenden Jahr die Leistung des Schlossbaus. Dabei musste Gontard jedoch beim Neuen Palais mit dem Erbe seiner Vorgänger leben und konnte seine Ideen aufgrund des fortgeschritten Baustadiums zumeist nur noch in der Innenraumgestaltung einbringen. Auch bei den gegenüber gelegenen Wirtschaftsgebäuden ‒ den sogenannten Communs, die 1766 ‒ 1769 entstanden ‒ war Gontard nicht allein beteiligt. Jean Laurent Legeay hatte bereits 1761 einen Entwurf angefertigt, den Gontard als Basis für die weitere Entwicklung nahm.

Neben der standesgemäß reichhaltigen Verzierung der Räume stechen vor allem die unzähligen Skulpturen um die gartenseitige Terrasse, vor den Pilastern und auf der Balustrade sowie die Schlusssteinköpfe an der jeweils oberen Fenster hervor. Das Neue Palais setzt damit die friederizianische „Tradition“, Gebäude im Park außen mit zahlreichen Skulpturen und Bildnissen zu schmücken, fort. Zwölf Bildhauer haben diese Figuren unter großem Zeitdruck angefertigt. Dies ist auch daran zu erkennen, dass die Figuren unmittelbar nach Fertigstellung nebeneinander aufgestellt wurden und zumeist in keinem thematischen Zusammenhang zueinander stehen. Auch die Zuordnung der Figuren zum jeweiligen Bildhauer ist Fachleuten auch nach umfangreicher Recherche nicht immer zweifelsfrei möglich.

Das Palais selbst kann von Besuchern ganzjährig (außer dienstags) besichtigt werden. Eine Besonderheit ist das Schlosstheater, das eines der wenigen noch bespielten Theater im Stil des 18. Jahrhunderts ist. Bei diesem ist allerdings bis 2017 die Sanierung des Dachstuhls vorgesehen. Die Communs hingegen werden von der Universität Potsdam genutzt, die um das Neue Palais einen ihrer Standorte in der Stadt hat.

Bildübersicht

Weitere Ansichten des Neuen Palais sind im Kurzfilm über den Architekten Carl von Gontard enthalten, der hier angesehen werden kann.

Tipp: Fangen Sie beim ersten Bild an und folgen Sie der „Tour“. Die Bildanordnung und die Beschreibungen stehen in einem Kontext zueinander.

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