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Der Park Sacrow

Der Ort

Das abgelegene Sacrow gehört mit seinen rund 150 Einwohnern zu den kleinsten Stadtteilen Potsdams. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf 1374 oder 1375 und hatte – wie auch das Schloss selbst – im Laufe der Zeit diverse Eigentümer. Am 1. April 1939 wurde Sacrow zusammen mit zahlreichen anderen Ortschaften nach Potsdam eingemeindet. Besondere Bekanntheit hat der Ort allerdings wegen seiner Kirche, die König Friedrich Wilhelm IV. direkt am Havelufer erbauen ließ.

Das Gut mit Herrenhaus bis zum Bau der Kirche

Bereits um 1700 entstand im durch Landwirtschaft und Rittergut geprägten Sacrow ein Gutshaus aus Fachwerk. 1764 kaufte der preußische General Johann Ludwig Graf von Hordt das Dorf für 13000 Goldtaler. Er ließ 1773 das Gutshaus abreißen und an dessen Stelle für weitere 12000 Taler ein neues, barockes Herrenhaus mitsamt Orangerie, Brauhaus und weiteren Wirtschaftsgebäuden sowie einem Lusthaus am Havelufer errichten. Außerdem wurde eine Maulbeerplantage angelegt das Gelände um das Herrenhaus parkartig gestaltet. Da die Ehefrau des Grafen aber schon kurze Zeit später starb, veräußerte er das Anwesen 1779 mit Verlust an Heinrich August Karl de la Motte-Fouqué, der es sich nur zwei weitere Jahre später von einem Stiefsohn von Hordts, August Ferdinand Graf von Haeseler, wieder abkaufen ließ. Dieser lebte mit seiner Famile 30 Jahre in Sacrow, das zu dieser Zeit etwa 100 Einwohner zählte.

Der Zeit von Haeselers werden der östliche Anbau des Herrenhauses sowie weitere Wirtschaftsgebäude zugeschrieben. Aber auch er lebte nicht bis zu seinem Lebensende in Sacrow, sondern veräußerte das Gut 1811 an Jean Balthasar Henry. Nur kurze Zeit später verstarb Henry, dessen Erben es 1816 an den Bankier Immanuel Meyer Magnus verkauften. Magnus sorgte für eine Industrialisierung Sacrows und ließ hier eine Bleizuckerfabrik errichten. Obwohl bereits damals als giftig bekannt, wurde Bleizucker noch jahrzehntelang als preisgünstiger Zuckerersatz insbesondere für Weine verwendet. Die Bleizuckerproduktion führte zu einer nachhaltigen Kontaminierung Sacrows, die nach Entdeckung 2009 zu einem Austausch von über 5000 Tonnen Erde und auch zur zeitweisen Sperrung des Schlosses führte.

Heilandskirche und Schlosspark entstehen

Unterdessen hatte Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. bereits ein Auge auf das an der Havel gelegene Areal geworfen. Sein Vater versuchte daher 1828 das Gelände zu kaufen. Die fünf Söhne des inzwischen verstorbenen Magnus’ wollten dies aber verhindern und verlangten daher eine exorbitante Summe von 170000 Talern. Friedrich Wilhelm IV. bezog das Gelände aber weiterhin in seine Vorstellungen zur Um- und Neugestaltung der Potsdamer Kulturlandschaft ein und fertigte bereits 1835 eine erste Skizze einer Kirche am Havelufer an. Mit der Thronbesteigung 1840 ergaben sich für ihn neue Möglichkeiten, und bereits am 12. Oktober desselben Jahres konnte er das Gelände für nunmehr 60000 Taler ankaufen und als Domäne der Regierung Potsdams übergeben.

Bereits im Folgemonat begann der Architekt Ludwig Persius, die Entwürfe des Königs zum Kirchenneubau im italienischen Stil zu bearbeiten. Sacrow selbst hatte zu dieser Zeit nur einen Beetsaal in einem Tagelöhnerhaus, nachdem die 1694 in Fachwerkbauweise errichtete Kirche 1812 wegen Baufälligkeit unbenutzbar und 1822 abgerissen worden war. Im Mai 1841 waren die Planungen für den Bau der Heilandskirche vollendet. Bereits im Sommer wurde der Bau gegen den Willen der Potsdamer Regierung, die den Beetsaal als ausreichend erachtete, begonnen. Die Planungen zum separaten Kirchturm wurden vom König ein Jahr später genehmigt. Die Weihe der Kirche erfolgt am 21. Juli 1844. Sogar eine eigene Pfarrstelle wurde für Sacrow eingerichtet, nachdem zuvor nur Pfarrer von außerhalb im Ort predigten.

Der König beließ es nicht beim Kirchenneubau, sondern verfolgte eine komplette Umstrukturierung des Ortes. Die Hauptstraße wurde verlegt, der landwirtschaftliche Betrieb eingestellt und die Ackerflächen aufgeforstet. Gutsarbeiter, die nicht im neu entstandenen Königswald benötigt wurden und damit keine Arbeit mehr in Sacrow hatten, wurden bis zu ihrem Lebensende finanziell unterstützt. Kinder hatten mit Erreichen des arbeitsfähigen Alters das Dorf zu verlassen, frei werdende Häuser sollten aus ästhetischen Gründen abgerissen werden. Den Anfang machten einige Wirtschaftsgebäude rund um das Herrenhaus sowie die Fabriken. Aus diesen Gründen sank die Bevölkerung Sacrows von etwa 110 Einwohnern 1840 innerhalb der nächsten 30 Jahre um ein Viertel.

Von Peter Joseph Lenné wurde die heutige Parkanlage entworfen, die das nunmehr als Schloss bezeichnete Herrenhaus samt Nebengelasse und auch die Kirche umfasste. Für das Schloss, das unter anderem dem neuen Pfarrer der Kirche als Wohnsitz dienen sollte, gab es ebenfalls Umbaupläne, die durch Persius zwar bis 1844 ausgearbeitet, aber wohl nur teilweise realisiert wurden. Umgebaut wurde hingegen das ebenfalls von Persius gestaltete Fähr- und Gasthaus „zum Dr. Faust“, welches allerdings im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und schließlich in den 1970er Jahren abgerissen wurde.

Die Heilandskirche am Port von Sacrow, so der offizielle Name, wurde von Friedrich Wilhelm IV. tatsächlich in den ersten Jahren häufig zu Gottesdiensten aufgesucht und zog daher auch Gefolge und Königstreue an. Allerdings dauerte die Blütezeit nur vier Jahre lang an, denn längst hatte der König mit der Friedenskirche im Park Sanssouci einen weiteren Kirchenneubau forciert. Nach derer Fertigstellung 1848 zog die Sacrower Pfarrstelle in die neue Kirche um und die Sacrower Kirchengemeinde verlor wieder ihre Eigenständigkeit. Auch im Schloss wechselten nun wieder die Einwohner und Nutzungen.

Weitere Entwicklung Sacrows bis heute

Wer nun glaubt, Sacrow hätte seitdem den Status eines bedeutungslosen Dorfes inne, der irrt. 1876 wurde in Sacrow die Yacht- und Bootswerft E. Kluge gegründet, die preußischer Hoflieferant wurde und die originale, königliche Miniaturfregatte Royal Louise überholen durfte. Die Werft war bis in die 1960er Jahre in Betrieb. Am 27. August 1897 gelang die erste erfolgreiche Funkübertragung auf deutschem Boden unter der Leitung von Adolf Slaby und Georg Graf von Arco. Diese erfolgte vom Sacrower Kirchturm aus in die etwa 1,6 km entfernte Matrosenstation Kongsnæs, nachdem die Veruche von der Pfaueninsel zur Matrosenstation (3 km Entfernung mit Hindernissen dazwischen) misslungen.

Im 20. Jahrhundert gab es mehrere, einschneidende Veränderungen im Park. 1938 wurde für den preußischen Generalforstmeister, NSDAP- und SS-Mitglied Friedrich Alpers, das Sacrower Schloss als Dienstsitz umgebaut. Das Schloss selbst wurde dabei völlig entkernt und seiner barocken Stilelemente beraubt, das Schlossinnere präsentiert sich seitdem in NS-Architektur. Die äußere Gestaltung des Schlosses wurde dem Zeitgeschmack entsprechend etwas vereinfacht. Der östliche Anbau, ursprünglich zweistöckig, wurde zu einen Einstöckigen mit Dachterrasse umgebaut. Die westlichen Wirtschaftsgebäude wurden abgetragen und stattdessen, für die NS-Zeit typisch, der Gestaltung des Schlosses angepasste Neubauten ersetzt. Entstanden sind so neue Wirtschaftsgebäude und das Adjutantenhaus. Auch die Orangerie wurde weitgehend abgetragen. All diese Veränderungen wurden bislang nicht rückgängig gemacht.

Eine weitere, einschneidende Veränderung war der Bau der Berliner Mauer 1961. Der inzwischen zu Potsdam gehörende Ort Sacrow lag direkt im Sperrgebiet und war fortan nur mit Passierschein zu betreten. Der Park, unmittelbar am Havelufer gelegen, wurde mit Grenzzaun und Todesstreifen versehen. Das Schloss, das nach Kriegsende zunächst als Erholungsheim für Verfolgte des Naziregimes und später als Kinderheim diente, wurde jetzt von den Grenztruppen genutzt. Ab 1973 diente das Parkgelände als Trainingsanlage für Zoll-Spürhunde, hierfür wurde neben Hundezwingern und Garagen auf dem Parkgelände auch eine Grenzübergangsstelle als Trainingsplatz nachgebaut. Der verbliebene Rest der Orangerie wurde abgetragen.

Die Heilandskirche, direkt am Havelufer und damit im Todesstreifen liegend, war dementsprechend für die Grenzsicherung eher hinderlich. Wie andere historische Gebäude, zum Beispiel das Babelsberger Dampfmaschinenhaus oder die Meierei im Neuen Garten, wurde sie zwar nicht abgerissen, sehr wohl aber sich selbst überlassen. Bis zu Heiligabend 1961 fanden noch regelmäßig Gottesdienste in der Kirche statt, anschließend wurde das Kircheninnere mutmaßlich durch Grenztruppen zerstort, um den die bestimmungsgemäße Nutzung der Kirche zu verhinden und den Zugang zum Gebäude verwehren zu können. Von Westberliner Seite war die Kirche aufgrund ihrer exponierten Lage weiterhin gut zu sehen, und so sorgte ihr allmählicher, äußerer Verfall für Aufsehen. In den 80er Jahren wurden daher von Westlicher Seite private und staatliche Spenden zur Wiederherstellung der äußerlichen Substanz bereit gestellt und von ostdeutschen Firmen auch eine entsprechende Sicherung durchgeführt.

Nach Maueröffnung fand 1989 wiederum zu Heilligabend erstmalig wieder ein Gottesdienst im noch zerstörten Innenraum statt. Die veränderte, politische Lage begünstigte sicherlich die Aufnahme der Potsdamer Parklandschaft in das UNESCO-Weltkulturerbe. Da der Aufnahmeantrag noch zu DDR-Zeiten gestellt wurde, war der Sacrower Park und dessen Gebäude noch nicht berücksichtigt. Die UNESCO empfahl bei der Aufnahme in das Welterbe aber ausdrücklich, einen Erweiterungsantrag für dieses Areal zu stellen.

Die Aufnahme von Schloss, Park und Kirche in das Welterbe erfolgte schließlich am 14. Dezember 1992, also noch vor der Wiederherstellung des Geländes und noch vor der Übernahme von Park und Schloss durch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg 1993. Erst ab 1994 konnten die massiven Veränderungen im Park durch die Grenzanlagen und die Nutzung als Trainingsanlage wieder rückgängig gemacht werden, wobei hierfür auch Finanzmittel aus dem ehemaligen SED-Vermögen Verwendung fanden. Auch die Kirche wurde, soweit es Aufnahmen und Aufzeichnungen ermöglichten, in den Jahren 1993‒1995 weitgehend originalgetreu wiederhergestellt. Schwierigkeiten bereitete das Schloss. Ursprünglich war eine Rekonstruktion zur musealen Nutzung vorgesehen, durch die abgeschiedene Lage wurde jedoch die wirtschaftliche Tragfähigkeit bezweifelt. Die bereits begonnenen Arbeiten stellte man daraufhin ein.

Mit dem eigens hierfür gegründeten Verein Ars Sacrow e. V. haben sich 2002 Engagierte gefunden, die sich den Erhalt und die dauerhafte Zugänglichkeit des Sacrower Welterbes auf die Fahnen geschrieben haben. So nutzt der Verein beispielsweise das Schloss in den Sommermonaten unter anderem für Ausstellungen und betreibt dort auch eine kleine Gastronomie.

Bildübersicht

Tipp: Die Bilder und Grafiken ergeben in ihrer Gesamtheit einen Rundgang. Fangen Sie daher bei der ersten Grafik an und folgen dort dann dem weiteren Verlauf.

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