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Auf dem verbliebenen Stumpfgleis zwischen Straßenunterführung und Bahnsteighalle befindet sich seit Fertigstellung des Bahnhofsumbaus zur DB Akademie ein Containertragwagen mit zwei 20-Fuß-Containern. Nach offiziellem Sprachgebrauch soll er für den modernen Güterverkehr stehen und auch auf diese Weise der Führungsebene eines der Kerngeschäfte der Deutschen Bahn verdeutlichen. Schließlich ist die DB AG nicht nur ein bedeutender Spediteur, auch heute noch machen Güterwagen weit mehr als die Hälfte des gesamten Schienenfahrzeugbestandes der Bahn aus. Außerdem fand bekanntlich auch Güterferkehr an diesem Bahnhof statt. Viele Leute finden allerdings, dass dieser Wagen das historische Ensemble verschandelt. In der Tat wäre es nicht schlecht gewesen, ihm zumindest auch einen klassischen Güterwagen beizustellen, um die Entwicklung in der Umschlagtechnik zu zeigen. Hierfür hätte sich ein gedeckter Güterwagen der Verbandsbauart nach Musterblatt A2 angeboten (landläufig auch als G10 bekannt). Denn diese sind mit Erstbaujahr 1910 nicht nur praktisch genauso alt wie die Hofstation selbst, er ist auch der mit Abstand am meisten gebaute gedeckte Güterwagen in Deutschland (über 100 000 wurden von ihm gebaut).

Dennoch ist der aufgestellte Wagen eigentlich eine kleine Besonderheit, sodass sein Werdegang doch kurz wiedergegeben werden soll. Ursprünglich war er einer von 1760 im Auftrag der Deutschen Bundesbahn zwischen 1970 bis 1977 gebauten Rmms664, also kurzen Drehgestellrungenwagen mit automatischer Lastabbremsung. Konkret wurde er 1971 bei LHB in Salzgitter gebaut Bereits 1988, und damit nach nur etwa der Hälfte der üblichen Nutzungsdauer von Schienenfahrzeugen, wurde bereits mehr als die Hälfte dieser Wagen nach Auslaufen des Leasingsvertrags ausgemustert. Gleichzeitig suchte die damalige Firma Alcan für den Transport von Aluminiumcoils zwischen Nievenheim und Göttingen Tragwagen, die speziell für diesen Transport entwickelte Container mit einer extremen Zuladung von bis zu 24 t transportieren konnten. Die vorhandenen, zweiachsigen Containertragwagen konnten keine zwei 20-Fuß-Container mit einer solchen Masse transportieren, und auch bei den Drehgestellwagen, die sonst drei Container aufnehmen können, hätten nicht voll beladen werden können. Nach einem Prototypen wurden daher 1990 60 der ausgemusterten Rungenwagen im Ausbesserungswerk Saarbrücken-Burbach (bestand 1906–1997) umgebaut. Dabei wurden die Rungen und der Bodenbelag der Wagen entfernt, um das Eigengewischt zu reduzieren. Es entstanden so Wagen, eine Zuladung von 61 t haben und daher zwei 20-Fuß-Container mit der gefordeten Masse problemlos aufnehmen können. Seitdem hören sie auf die Bezeichnung Sgmmns738 und sind die einzigen Drehgestell-Containertragwagen der Deutschen Bahn, die nur zwei 20-Fuß-Container aufnehmen können. Zu ihnen gehörte auch dieses Exemplar. Alle 60 Wagen und der Prototyp wurden in erster Linie für den genannten Spezialverkehr eingesetzt, vereinzelt aber auch im normalen Containerverkehr genutzt. Um 2000 wurden die alten Drehgestelle der Bauart 664 („Minden Siegen“) gegen solche der Baurt 640.2 („WU 83“) getauscht. Dies geschah im Rahmen einer fuhrparkübergreifenden Tauschaktion, da die 664er inzwischen verstärkt zu Rissbildung neigten und einige Bahnverwaltungen die Nutzung dieser Drehgestelle auf ihrem Netz inzwischen verweigerten.

2005/06 wurden diese Wagen endgültig ausgemustert und verschrottet, einer hat aber im Ausbesserungswerk Eberswalde nochmals eine Revision erhalten, wurde verkehrsrot lackiert (während ihrer Einsatzzeit waren sie stets schwarz) und anschließend per Kran auf dieses Gleis gehoben. Letzteres war notwendig, da dieses Gleisstück keine Verbindung mehr zur Außenwelt hat. Denn die ehemaligen Einfahrten in die Halle wurden beim Umbau voll verglast und die Schienen an dieser Stelle unterbrochen. Seitdem steht nun Sgmmns738 mit der Wagennummer 31 RIV 80 D‑DB 4508 143‑3 auf diesem Gleis mit zwei damals brandneuen, stinknormalen ISO-Containern der Shanghai Baoshan Pacific Container Co. ‒ einem der größeren chinesischen Containerproduzenten ‒ hier. Die verkehrsrote Farbgebung und die während seiner letzten Revision veränderten seitlichen Trittstufen zeigen allerdings, dass es hier weniger um die Erhaltung eines seltenen Güterwagentyps gegangen ist, sondern wohl nur ein alter Wagen gesucht wurde, der zusätzliche Lagerkapazität bereit stellen kann. Da boten sich die gerade in der Ausmusterung befindlichen Sgmmns738 natürlich an. Hiervon zeugen auch die beidseitig angebauten Plattformen, um die Container bequem begehen zu können. Früher gab es übrigens auch einmal Container mit seitlichen Ladetüren...

Interessante Details am Rande: Durch dieses „D-DB“ hat der Wagen nicht mehr den 2005 noch üblichen Kode für das Eigentumsmerkmal, sondern den etwa seit 2007 angeschriebenen UIC-Ländercode erhalten. Die Container hatten hier in Potsdam nie die typischen, technischen Anschriften, die ISO-Container sonst an allen Seitenwänden haben. Dafür hatten sie anfänglich die aältere Schenker-Beklebung. Die Jetzige und in diesem Bild Gezeigte wurde erst Jahre später eingeführt, auch sie wurden zwischenzeitlich „umgeklebt“.

Fotografiert am 14. September 2013.

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